OODA-Loop

Die Strategie von John Boyd

Beispiele des OODA-Loop

In der Luft, auf dem Boden, in der Wirtschaft.


Luft-Luft-Kampf

Stell dir vor, ein Kampfpilot wird losgeschickt, um ein feindliches Flugzeug abzuschießen.

Noch bevor das feindliche Flugzeug in Sichtweite ist, wird der Pilot alle verfügbaren Informationen über die wahrscheinliche Identität des feindlichen Piloten berücksichtigen — Nationalität, Ausbildungsstand und kulturelle Traditionen, die dabei eine Rolle spielen könnten.

Wenn das feindliche Flugzeug Radarkontakt hat, stehen direktere Informationen über die Geschwindigkeit, Größe und Manövrierfähigkeit des feindlichen Flugzeugs zur Verfügung; die sich entwickelnden Umstände haben Vorrang vor dem Funkverkehr. Eine erste Entscheidung wird auf der Grundlage der bisher verfügbaren Informationen getroffen:

Der Pilot beschließt, über dem Gegner „in die Sonne zu gehen“, und gibt die Steuerbefehle zum Steigen. Zurück zur Beobachtung: Reagiert der Angreifer auf die Höhenveränderung? Dann kommt die Orientierung: Reagiert der Feind charakteristisch oder verhält er sich vielleicht wie ein Nichtkombattant? Zeigt sein Flugzeug eine bessere Leistung als erwartet?

Wenn der Luftkampf beginnt, wird nur wenig Zeit für die Orientierung aufgewendet, es sei denn, es kommen neue Informationen über die Identität oder die Absichten des Angreifers ins Spiel. Die Informationen strömen in Echtzeit auf den Piloten ein und er hat keine Zeit, sie bewusst zu verarbeiten. Er reagiert so, wie es ihm beigebracht wurde, und seine bewussten Gedanken sind auf die Überwachung des Aktions- und Reaktionsflusses gerichtet, wodurch sich der OODA-Zyklus ständig wiederholt. Gleichzeitig durchläuft der Gegner denselben Zyklus.

Eine von John Boyds wichtigsten Erkenntnissen im Kampf war, dass es wichtig ist, Geschwindigkeit und Richtung schneller zu ändern als der Gegner. Das kann den OODA-Zyklus des Gegners durcheinander bringen. Das hat nicht unbedingt etwas mit der Manövrierfähigkeit des Flugzeugs zu tun, aber der Pilot muss schneller denken und handeln, als der Gegner denken und handeln kann.

Wenn du in den Zyklus eindringst und die Denkprozesse deines Gegners kurzschließt, kann dieser nicht länger angemessen reagieren.

Basketball

Ein weiteres Beispiel auf taktischer Ebene findet sich auf dem Basketballplatz, wo eine Spielerin in Ballbesitz kommt und an einer größeren oder schnelleren Gegnerin vorbeikommen muss.

Ein einfaches Dribbling oder ein direkter Pass wird wahrscheinlich nicht gelingen. Stattdessen kann die Spielerin eine schnelle und ausgeklügelte Reihe von Körperbewegungen ausführen, um die Gegnerin zu verwirren und ihr die Möglichkeit zu nehmen, ihre Überlegenheit in Größe oder Geschwindigkeit auszunutzen.

Auf einem einfachen Spielniveau kann das eine Reihe von Täuschungen sein, in der Hoffnung, dass die Gegnerin einen Fehler macht oder sich eine Lücke auftut. Durch Übung und mentale Konzentration kann die Spielerin jedoch das Tempo beschleunigen, in den OODA-Loop der Gegnerin eindringen und die Kontrolle über die Situation übernehmen, indem sie die Gegnerin dazu bringt, sich auf eine bestimmte Weise zu bewegen und sich einen Vorteil zu verschaffen, anstatt nur auf einen Missgeschick zu reagieren.

Die Kontrolle über die Situation zu übernehmen ist dabei Schlüssel: Es reicht nicht aus, den OODA-Loop schneller zu durchlaufen, was zum Scheitern führt.

Unternehmen

Der gleiche Zyklus läuft in einem wettbewerbsorientierten Unternehmen über einen längeren Zeitraum ab, und es gilt die gleiche Logik.

Entscheidungsträger:innen sammeln Informationen (beobachten), bilden Hypothesen über Kundenaktivitäten und die Absichten der Konkurrent:innen (orientieren), treffen Entscheidungen und handeln danach. Der Zyklus wiederholt sich ständig. Die aggressive und bewusste Anwendung des Prozesses verschafft einem Unternehmen einen Vorteil gegenüber einem Konkurrenten, der lediglich auf die auftretenden Bedingungen reagiert oder die Situation nicht richtig einschätzen kann.

Vor allem in Unternehmen, in denen Teams von Menschen den OODA-Loop durchlaufen, bleibt er oft beim „D“ stecken (siehe Ullman) und es wird nichts unternommen, sodass die Konkurrenz die Oberhand gewinnt oder Ressourcen verschwendet werden.


Übersicht des OODA-Loop